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Programmheft Schiffbauergasse


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Die Kultur-Geschichte seit 1990

Seit 1820  militärisch und industriell genutzt, war die Schiffbauergasse bis 1990 ein öffentlich völlig unbekannter Raum. Im Sommer 1991 gab es erste Expeditionen der Potsdamer Kulturszene in das bislang unzugängliche Areal. Nach Schließung des Gaswerks, der Wäscherei und der meisten Kasernen lag das Gebiet brach. Nur das Logistikbataillon des sowjetischen KGBs war bis 1994 auf dem Gelände "im Dienst". Rundherum aber begannen künstlerische Aktionen.


Mr. Material found his Love - Graffiti

Mit der Entdeckung der alten Wäscherei für  Ausstellungen und Underground-Techno-Partys 1992 begann eine ungewöhnliche Entwicklung: Eine Künstler-Hausbesetzung machte sie plötzlich zur attraktiven Location für Potsdam und Berlin (zu den Partys schmuggelten sich gern auch Rekruten des KGB durch ein Loch im Zaun ein ...). Mit Gründung des Waschhaus e.V. 1993 begann dort ein regelmäßiger Kulturbetrieb, der heute über 200.000 Besucher jährlich anlockt. Was mit rund 40 kunstbegeisterten Aktivisten begann, wurde ein genreübergreifender Kunst- und Kulturraum, der von der Stadt nicht nur geduldet, sondern auch bald aktiv und finanziell unterstützt wurde.

Auch die Stadt selbst wurde so auf das Areal aufmerksam: Für die 1993 geplante 1000-Jahr-Feier Potsdams wurden Spielflächen gesucht, so in der großen "Reithalle A". Dazu kam die Idee, den dringend benötigten Neubau für das Hans Otto Theater hier zu errichten. Die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) erwarb die verstreuten Liegenschaften und initiierte ein strategisches Konzept zur kulturellen, städtebaulichen und wirtschaftlichen Standortentwicklung. Das Gaswerksgelände musste von Giften gereinigt, der Theaterneubau als Schlüsselinvestition gesichert werden. Ergebnis eines internationalen Architekturwettbewerb für das Theater war 1992 der preisgekrönte Entwurf von Gottfried Böhm -aber noch lange waren endgültiger Standort und Finanzierung ungeklärt. Erst der Beschluss der Stadtverordneten vom 05.05.1999 – „Integrierter Kulturstandort mit Neubau des Hans Otto Theater an der Schiffbauergasse“ - sicherte die Grundlagen aller weiteren Aktivitäten. Er setzte zugleich den Rahmen für den Theaterneubau, zur technischen Erschließung des Areals, für die Gewerbeansiedlung - und die dauerhafte Sicherung der "freien" Kulturszene.


Nachts am Waschhaus, (c): Dirk Reinartz

Schnell suchten und fanden weitere Künstler, Kulturvereine und -Verbände in den alten Industrie- und Militärbauten neue Heimstätten. Seit 1994 nutzt das Tanztheater fabrik Potsdam das Fischhaus, dann zeitweise die Reithalle B und schließlich die Maschinenhalle als Veranstaltungs- und Proberäume. Die Reithalle A wurde 1998 als Spielstätte für das Kinder- und Jugendtheater des Hans Otto Theaters saniert und umgebaut. Spektakuläre internationale Kunstaktionen, wie z.B. die Lichtinstallationen "Auf zu den Sternen" machten das Areal immer wieder zum Labor für künstlerische Experimente.

Die nun plötzlich kulturell genutzten Gebäude wiesen erhebliche Mängel bei Sicherheit und Funktionalität auf. Das war hoch riskant, und auch wirtschaftliche und städtebauliche Potenziale lie0ßen sich so nicht ausschöpfen. Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg stellte 1999 Mittel aus dem „Aufbauprogramm Kultur“ der Bundesregierung bereit. Damit konnte ein neuartiges Konzept entwickelt werden: Das „Zentrum für Kunst und Soziokultur“ („ZKS“) umfasst Probe-, Kurs- und Aufführungsprogramme für Tanz und Tanztheater, professionelles freies Theater, Ausstellungsflächen und Räume für Clubevents, Lesungen und mediale Inszenierungen. Vorgesehen wurden weiter eine Aktionshalle für Konzerte, Studios für junge Musikbands, Büros, Lager und sonstige Funktionsräume. Im Jahr 2001 schließlich wurde die gesamte Schiffbauergasse als "Sanierungsgebiet" ausgewiesen. Damit konnten nun auch Mittel der Städtebauförderung für die Kulturbauten und die gesamte Infrastruktur eingesetzt werden.


Konzert in der "Russenhalle"

Das besondere kulturelle Ambiente und die herausragende Lage am Wasser, vielfältige gastronomische Angebote und ein Openair- Veranstaltungsplatz sollen nicht nur als touristische Attraktionen dienen, sondern auch weitere kulturaffine Gewerbebetriebe und innovative Dienstleister an den Standort locken. Ziel war und ist es, die Schiffbauergasse durch die Sanierung zu einem Magnet für zeitgenössisch interessierte Besucher zu etablieren - nicht zuletzt als Ergänzung zu den Schlössern und Gärten, der historischen Innenstadt und dem Babelsberger Filmpark.

2003 wurde schließlich, nach mehreren Umplanungen, die Errichtung des „ZKS“ beschlossen, der Bau begann. Bereits im Sommer 2006 gingen mit dem fertig gestellten 1. Bauabschnitt die sanierte Maschinenhalle für das Tanztheater fabrik, das „T-Werk“ für freies Theater, der “Kunstraum“ für Ausstellungen zeitgenössischer Bildender Kunst und die „Schinkelhalle“ in Betrieb. Zur Zeit sind der 2. Bauabschnitt kurz vor der Fertigstellung und der 3. Bauabschnitt in vollem Gange - saniert bzw. errichtet werden die "Aktionshalle" samt Foyer, weitere Tanzstudios im sogenannten "Studiohaus", Waschhaus samt Open-Air-Bühne und Freiflächen, das "Offizze", das private Kunstmuseum "Fluxus +" sowie ergänzend Räume für Gewerbe und Handel. Gesamtfertigstellung ist Ende 2008.


Katte: Henrik Schubert als Friedrich, (c): Matthias Horn

Mit der Entscheidung für den Bau des neuen Hans Otto Theaters begann auch die breite Öffentlichkeit, die Schiffbauergasse als neuen Kulturort der Stadt Potsdam und urbanen Erlebnisraum am Wasser zu entdecken und zu akzeptieren. Mit dem ersten "Rammschlag" für das Fundament des Theaters am 14. Oktober 2004 begann endgültig eine neue Ära für das Areal. Am 22.9.2006 ging zum ersten mal der Vorhang im neuen Theater auf: Mit der Uraufführung von "Katte" von Thorsten Becker in der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg.

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