Titel Programmheft Schiffbauergasse 12_2017_lq
Programmheft Schiffbauergasse


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Die militärische Nutzung

Die frühere militärische Nutzung prägt noch heute durch zahlreiche Bauten den Standort. Bereits ab 1822 wurde auf einem Teil des ehemaligen Garnisonholzhofs nach Entwürfen bzw. unter planerischem Einfluss von Karl Friedrich Schinkel eine H-förmige Reitstallanlage und eine große Reithalle (die "Schinkelhalle") durch Carl Hampel errichtet, der kurz zuvor als Baubeamter in das Kriegsministerium berufen wurde und ab 1827 der neu geschaffenen preußischen Militärbauverwaltung vorstand

Die Anlage wurde mehrfach umgebaut und erweitert und umfasste neben dem heutigen "Schirrhof" zwei große Reitplätze. Der hintere war havelseitig geschlossen, der vordere hingegen für jedermann einsehbar, nur durch ein großes schmiedeeisernes Gitter und Pfeiler mit gusseisernen Adlern von Christian Daniel Rauch von der Straße getrennt - der Volksmund sprach vom "Reittheater", in dem die Kavallerie auftrat (das originale Gitter schließt heute den Schulhof der Gesamtschule an der Lindenstraße ab).

Heute steht nur noch eine Zeile dieser ältesten Reitställe , der Rest fiel 1976 dem Bau der Humboldtbrücke zum Opfer. Die grandiose "Schinkelhalle" mit dem offenen Dachstuhlhängewerk aus massiven Kieferbalken aber war erhalten, wenn auch in desolatem Zustand. Als herausragendes Einzeldenkmal und Beleg für einen sonst nicht mehr vorhandenen Bautypus wurde sie denkmalgerecht restauriert und ausgebaut. Sie dient heute als hochwertige, atmosphärische Veranstaltungshalle für verschiedenste kulturelle, aber auch gewerbliche Zwecke. Die Pferdeställe, ebenfalls rekonstruiert, sind heute Domizile für den Kunstraum und das freie Theater T-Werk.

1838 befahl König Friedrich Wilhelm III. den Bau der Leibgarde-Husaren-Kaserne. Erstmals sollte ein ganzes Regiment, über 600 Mann in einem einzigen Gebäude untergebracht werden. Der 136 m lange Bau wurde 1839/42 errichtet. Daraufhin entstanden in einer Zeitspanne von 80 Jahren drei weitere Reithallen - eine einmalige Konzentration auf so engem Raum. Dazu kamen weitere Pferdeställe und Funktionsgebäude. Noch heute befindet sich in der Husarenkaserne, als letzte militärische Nutzung, das Kreiswehrersatzamt. Im Jahr 2008 soll auch dieses aufgelöst werden.

Nach 1871 waren die Husaren die Leibgarde der deutschen Kaiser, und das verlangte nach Repräsentation: Im September 1888 wurde die prachtvolle Offiziersspeiseanstalt eingeweiht, finanziert aus Spenden der deutschen Fürstenhäuser, deren Söhne in diesem privilegierten Regiment dienten. Hier fanden auch Bälle und Gelage statt - gern besucht von dem jungen Prinzen und späteren Kaiser Wilhelm II., der hier von seinen adligen Offizieren jene Sichtweisen und militaristischen Sprüche lernte, mit denen er später die Welt schockierte. Direkt dahinter zischte und qualmte die Gasanstalt - tatsächlich ein "militärisch-industrieller Komplex".


Kampfgruppenübung, (C) Potsdam Museum

Nach 1945 nutzten zunächst die sowjetischen Streitkräfte die Kasernengebäude, die bald großteils an die Nationale Volksarmee der DDR übergeben wurden. Bis 1994 aber logierte in der Schinkelhalle, den Reitställen und einem Teil der Husarenkaserne ein Funk- und Logistikbataillon des sowjetischen Geheimdienstes KGB. Garagen, Reparaturwerkstätten und eine lecke Tankstelle hinterließen auch hier marode Gebäude und kontaminierte Böden.

Im Offizierskasino, von der NVA u.a. als Kulturhaus genutzt, befand sich seit 1990 das Bundesvermögensamt. Am 21. Juni 1992 ging der ganze Bau samt seiner luxuriösen historischen Innenausstattung in Flammen auf, vermutlich durch Brandstiftung. Erst 1999 konnte es von der LEG äußerlich vollständig wiederhergestellt werden, heute wird es für Bürozwecke genutzt.


Back to the USSR

In der größten, 1912 erbauten und 1998 rekonstruierten Reithalle A befindet sich heute das Kinder- und Jugendtheater des Hans Otto Theaters. Die Reithalle B ist bereits saniert und heute Probebühne des Hans Otto Theaters, die "Russenhalle" ist derzeit im Bau und wird Konzert- und Aktionshalle für das Waschhaus.

Der politischen Wende in der DDR folgten die Stilllegung des Gaswerks, der Großwäscherei und auch der Militäranlagen der Nationalen Volksarmee. Im August 1994 verließ auch der letzte russische Soldat das Gelände.

Nach und nach wurde die Schiffbauergasse wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Zahlreiche, früher für Kavallerie und Industrie genutzte Gebäude fanden so neue Zweckbestimmungen für Kultur und Kunst oder damit zusammenwirkende Gewerbe.


Der Kaiser bei den Husaren, (C) Potsdam Museum
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