Titel Programmheft Schiffbauergasse 09_2017_lq
Programmheft Schiffbauergasse


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Gewerbliche Nutzung

Heute prägen High-Tech-Unternehmen wie das Volkswagen Design Center Potsdam und der Software-Konzern Oracle den Standort. Auch viele kleinere, kulturaffine Unternehmen haben sich oder wollen sich noch hier ansiedeln.

Die gewerbliche Nutzung lässt sich weit zurückverfolgen. Auf dem zunächst als Holzlagerplatz vor den Toren der Stadt genutzten Gelände wird 1799 eine "Zichorien Fabrique" ausgewiesen. Aus gerösteten Wurzeln der Wegwarte (Chicorée) wurde hier Ersatzkaffee hergestellt. Diese Windmühle, heute denkmalgeschützt, diente aber nicht lange zum Mahlen des "Mocca Faux", der bald aus der Mode kam. Funktions- und flügellos geworden erweckte sie das Missfallen von Friedrich Wilhelm IV., der sie durch seinen Architekten Ludwig Ferdinand Hesse zur Verschönerung mit einem Zinnenkranz verzieren ließ, zusammen mit der Errichtung des "Babelsberger Schlösschen" im gegenüberliegenden Park. Parallel war die Pappenfabrik des Unternehmers Biermann enstanden. Dieser erwarb auch die Mühle und ließ ein ebenso verziertes Wohnhaus anfügen. Die erste Etage des Mühlenturms wurde zum Salon ausgebaut und erhielt Erkerfenster mit umlaufendem Balkon - ein schönes Beispiel einer "romantischen" Fabrikantenvilla.


Zichorienmühle von 1799

Die Neue Königstraße verlangte nach Licht. Am 1. Oktober 1856 ging die neu errichtete Gasanstalt des Berliner Unternehmers Julius Conrad Freund in Betrieb. Sie versorgte Potsdam über 140 Jahre lang mit Kohlengas - zunächst zur Straßenbeleuchtung, dann auch für den privaten Verbrauch, der schnell anstieg. Das Gaswerk wurde von der Stadt übernommen und ständig erweitert. 1908/09 wurde die Pappenfabrik aufgekauft und abgerissen, 1920 standen vier große Gasbehälter und zahlreiche Schlote, und 1929 wurde die Zichorienmühle als Wohnung für den Betriebsleiter ausgebaut.

Nach 1945 wurde die Uferkante mit Kriegstrümmern aufgeschüttet, das gewonnene Land u.a. mit einer Maschinenhalle für das Gaswerk bebaut. Ein Fischersteg, der schon seit Urzeiten bestand und Fischereirechte besaß, verlor somit seinen Zugang zum Wasser. Die DDR verstaatlichte die Fischereirechte in der "PGH Binnenfischerei", die am Ort des alten Steges eine Fischbrutanlage errichtete, zu der Wasser aus dem Tiefen See herangepumpt wurde. Heute wird das "fischhaus" für Tanzproben genutzt.

Gleichzeitig entstand 1953-55 nach Plänen des Potsdamer Architekten Karl-Gottfried Pust der imposante Koksseparator. Der 35 m hohe, neoklassizistisch durch Pfeiler gegliederte Klinkerbau erinnert bewusst an die Industriearchitektur der 30er Jahre.


Gasometer, Waschhaus, Reithallen ...

Erst am 1. Juli 1990 wurde die Gasanstalt stillgelegt - als letztes noch voll betriebenes Steinkohlengaswerk Mitteleuropas. Mitte 2001 begannen der Abriss des Gaswerks und erste Bodensanierungen. Der Koksseparator und ein großer Gasbehälter aber wurden erhalten und sind heute neu genutzt.

1880/82 wurde die Königliche Garnisonswaschanstalt errichtet, die nach 1949 vom DDR-Dienstleistungskombinat Rewatex zur Großwäscherei ausgebaut wurde. Der Schlot des Waschhauses verweist, wie die umgenutzten Bauten des alten Gaswerkes, noch heute auf die vielfältige Geschichte der Schiffbauergasse als Industriestandort.

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