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Zichorienmühle


1675 kostete man „kuriositätshalber" erstmals am preußischen Hof Bohnenkaffee. Bald entdeckte auch die Bevölkerung die Vorzüge des neuen Getränks, das aufgrund einer hohen Konsumsteuer aber sehr teuer war. Der Schmuggelhandel mit Kaffee war daher sehr verbreitet. Der preußische Hof war über den ausgiebigen Kaffeegenuss seines Volkes nicht sehr erfreut. Es widersprach der friderizianischen Wirtschaftspolitik, Luxusgüter zu importieren. Das Geld sollte vielmehr im eigenen Land gehalten werden. Mit der Einführung einer „Kaffeeregie“ – einer Kaffeesteuerbehörde – den „Kaffeeschnüfflern“ und der Verordnung eines Staatsmonopols auf das Kaffeerösten versuchte man im 18. Jahrhundert den übermäßigen Kaffeeimport einzudämmen. Die Entdeckung der Zichorie als gesünderem und kostengünstigen Ersatzkaffee durch den preußischen Hofgärtner Johann Timme führte 1770 zur Gründung der ersten „Preußischen Caffé Fabrique“ in Berlin. Dieser „Preußische Caffé" erfreute sich bald großer Beliebtheit, so dass bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts elf weitere Ersatzkaffee-Fabrikgründungen in Berlin folgten.

In Potsdam wurde um 1799 die "Knochenhauer´sche Zichorien-Fabrique " gegründet. In dieser Windmühle wurde aus den getrockneten Wurzeln der „Blauen Wegwarte“ (so der deutsche Name für Chicorée) Kaffeeersatz gemahlen: „Mocca Faux“, falscher Mokka – oder eingedeutscht „Muckefuck“. Bald aber wurde die Mühle funktions- und flügellos. König Friedrich Wilhelm IV. ließ den Mühlenturm mit einem Zinnenkranz verschönern, dessen Entwurf vom Schinkelschüler L.F. Hesse stammte. Auf zahlreichen Industriebauten, Kasernen und Wohnhäusern Potsdams wurden diese Elemente verwendet, sie bildeten und bilden einen wesentlichen Teil der Stadtsilhouette. Dann kaufte ein Dachpappenfabrikant die Mühle und fügte ein Wohnhaus an, ebenfalls zinnenverziert. Die erste Etage des Mühlenturms wurde zum Salon ausgebaut und erhielt ein Erkerfenster mit umlaufendem Balkon - ein schönes Beispiel einer romantischen Fabrikantenvilla.

Ende der 1990er Jahre zogen in das Gebäude Hausbesetzer ein. Vom Eigentümer, der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) geduldet, pflegten die Bewohner das Gebäude und den Garten. Im Gegenzug verhinderten sie Vandalismus und erhielten dafür auch kostenlos Gas und Wasser. In der weiteren Zeit siedelte sich eine Wagenburg an. Durch die Sanierungsarbeiten und die Kontaminierung des Bodens auf dem früheren Gaswerkgelände musste die Wagenburg Ende 2000 das Gebiet räumen. Noch heute weist das vollständig erhaltene Gebäude auf die zu Anfang des 18. Jhdts. bestehende „Knochenhauersche Zichorien-Fabrique“ hin: nun dient das Gebäude als italienisches Restaurant "Il Teatro", direkt neben dem Theaterneubau an Havelufer. Der Betreiber, "Pino" Riolo, ist für seine exquisite sizilianische Küche bekannt.

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