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Fritten und Identität

, fabrik Potsdam
LiteraturTot oder lebendig / Verdunstung in der Randzone

Zum Anlass des Weltpommestages am 13. juli präsentiert Wort(g)arten 2024 gleich zwei Autor:innen, die in ihren neuen Romanen Fragen nach Identität und Fritten nachgehen, und wie beides zusammenhängen kann.Tot oder lebendig / Ariana Zustra

Am Abend vor ihrem dreißigsten Geburtstag beschließt Anna Thurow zu sterben. Oder erwägt zumindest sämtliche Selbstmordarten – nur scheint keine richtig. Sie ist weder unglücklich noch glücklich, aber etwas kam ihr schon immer seltsam falsch vor. Eine Hypnotiseurin leitet Annas Fremdeln mit sich und der Welt von einem früheren Leben her: In Anna rumore der Geist eines kroatischen Juden namens Andri. Die Neugier siegt und sie reist in Andris angebliche Heimatstadt Dubrovnik. Dort trifft sie auf Anka, die diesen Andri gekannt hat, und erfährt immer mehr von der Kriegsvergangenheit Ex-Jugoslawiens und den Naziverbrechen. Zustras Debütroman Tot oder lebendig handelt von verdrängten Kriegsschauplätzen der Shoa, von Grenzen von Religion, Identität und Sexualität. Ein urkomischer wie todtrauriger Roman über den Versuch, sich selbst und die Welt zu erklären, und über die Frage, wer wir sein können, wenn wir nicht wissen, wer wir sind.

Ariana Zustra, 1987 in Dubrovnik geboren, lebt als freie Journalistin und Musikerin in Berlin. Sie leitet die Bücherseite des Musikexpress und ist freie Autorin des Philosophiemagazins Hohe Luft.Verdunstung in der Randzone / Ilja Matusko

Ilijas Eltern betreiben eine Gastwirtschaft in Bayern. Er hilft schon als Kind in der Küche, wächst mit Pommes und Fritteusen auf. Weil sein Vater gerne Tennis spielt, ermöglicht er seinem Sohn Tennisstunden. Im Verein findet Ilija neue Freunde und will wie sie aufs Gymnasium. Sein Leben entkoppelt sich zunehmend von dem seiner Eltern, besonders als sein Vater nach Kroatien zurückgeht. Doch etwas begleitet ihn durch die Jahre: »Es riecht nach Pommes, Ilija kommt!« Der Satz eines Mitschülers, der ihn bis heute nicht mehr loslässt, wird zum Ausgangspunkt einer Selbstbefragung: Verrät der Geruch die eigene soziale Herkunft? Ilija Matusko verknüpft in seinem Debüt persönliche Erinnerungen mit soziologischen Beobachtungen. In zehn essayistischen Kapiteln erzählt er die Geschichte eines Bildungsaufsteigers – mit wachem Blick für die feinen Unterschiede, mit Witz und literarischer Schlagkraft.

Ilija Matusko, geboren 1980, hat Soziologie und Politikwissenschaften studiert, lebt und arbeitet in Berlin, u. a. für die taz.

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