Étape Danse: Offene Studios
Étape Danse ist ein trilaterales, europäisches Residenzprogramm, das jedes Jahr drei ausgewählte, neue Tanz-Produktionen aus Frankreich, Deutschland und Italien unterstützt. In einem Offenen Studio präsentiert die fabrik Potsdam dieses Jahr Ausschnitte und Works-in-progress von Elisabete Finger, Vittorio Pagani und Mackenzy Bergile. Ein Bus-Shuttle zw. Berlin und Potsdam steht zur Verfügung (mit Anmeldung – siehe Preisinfo).
IDENTITY IS A RUMOR, UNTIL DEATH WRITES IT DOWNMackenzy Bergile (Lorient)
Nach Autothérapie arbeitet Mackenzy Bergile an einem zweiten Kapitel seiner künstlerischen Recherche: ein dichtes und intimes Solo über Identität als fragiles, bewegliches Gefüge. Zwischen Erinnerung, Erbe und Begehren wird das Selbstporträt zu einem Ort der Transformation und Befragung. Die Arbeit untersucht, was uns prägt, was wir ungefragt übernehmen und was wir zu begehren lernen – und öffnet einen Raum für ein „Ich“, das sich festen Zuschreibungen entzieht und in Bewegung bleibt.
Mackenzy Bergile ist ein französisch-haitianischer interdisziplinärer Künstler, Choreograf, Pianist, Dichter und Forscher. Seine Arbeit untersucht Erinnerung, Macht und Weitergabe durch Körper und Geste. Ausgebildet in haitianischem, afroamerikanischem und zeitgenössischem Tanz sowie in Musik und bildender Kunst, bewegt er sich an der Schnittstelle von Performance, Forschung und postkolonialer Kritik und erforscht diasporische Körper als Orte von Erinnerung, Politik und Imagination.
27 (POSTHUMOUS WORK)Vittorio Pagani (Mailand)
27 (posthumous work) entfaltet sich als performative Untersuchung der Schwelle zwischen Fiktion und Realität, Präsenz und Verschwinden. Inspiriert vom Mythos des Club 27 (eine journalistische Bezeichnung für Künstler*innen, die im Alter von 27 Jahren tragisch starben) sowie von der Poetik der Filmregisseure Varda und Kiarostami nimmt 27 die Form einer Live-Dokumentation an, die Erfolg und künstlerische Identität hinterfragt. Entstanden vor dem 27. Geburtstag des Künstlers, ist die Performance zugleich Feier und Abschied.
Vittorio Pagani (2000) wurde beim Ballet Junior de Genève ausgebildet und tanzte in Stücken von Hofesh Shechter, Roy Assaf, Marcos Morau und Jan Martens. 2023 schloss er seinen Master an der University of the Arts London ab und entwickelte seither Arbeiten, die auf internationalen Plattformen und Festivals wie Rotterdam International Duet Choreography Competition, Aerowaves und dem Festival Romaeuropa präsentiert wurden. Seine choreografische Praxis erforscht Performativität, multimediale Subversion und eine präzise, zugleich metaphorische Bewegungssprache.
HIDDEN MOTHERS Elisabete Finger (Berlin)
Inspiriert von der fotografischen Praxis der „verborgenen Mutter“ aus dem 19. Jahrhundert, bei der Mütter zwar physisch anwesend waren, aber bewusst im Hintergrund blieben, um die Kinder ruhig zu halten, fragt das Projekt danach, was in Erzählungen über Fürsorge sichtbar ist und was unsichtbar bleibt. Anstatt das Verborgene als Abwesenheit zu behandeln, rückt es Körper, Gesten, Abhängigkeiten und Verpflichtungen in den Vordergrund, die das Geschehen tragen. Wer wird als Objekt der Pflege anerkannt und wer bleibt ihre unsichtbare Infrastruktur, und was geschieht, wenn der Hintergrund ins Bild rückt?
Elisabete Finger ist eine brasilianische Choreografin und Performerin, die am Centre National de Danse Contemporaine in Angers und an der Universität der Künste/HZT Berlin ausgebildet wurde. Ihre Arbeit untersucht die Rohheit von Körpern und Materialien, zeigt innere und äußere Anatomien und hybride Formen zwischen Schönheit und Verstörung. Durch die Verbindung von mythologischen und organischen Elementen hinterfragt sie Geschlecht, Normen und Repräsentation und wird international gefördert.