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Das Pferd frisst keinen Gurkensalat.

Pferde in der zeitgenössischen Kunst Mensch und Pferd – eine Beziehung die über die letzten Jahrhunderte, Jahrtausende nicht infrage gestellt wurde. Und so selbstverständlich, wie Pferde im alltäglichen Leben gebraucht wurden, so selbstverständlich wurden sie auch in den bildenden Künsten behandelt: Ob als kutschenziehendes Tier in der antiken Keramik, als repräsentatives Element eines Reiterstandbildes des Barocks oder Sehnsuchtsmotiv der Impressionisten; das Pferd ist immer als Begleiter des Menschen präsent. Zeitgleich mit dem Ende des Ersten Weltkrieges kann auch das Ende des Pferdes datiert werden: Durch die fortgeschrittene Industrialisierung und Technik ist das Pferd im Transportwesen, in Landwirtschaft und Militär zwecklos geworden und fällt aus der Schicksalsgemeinschaft mit dem Menschen heraus – mit dem 19. Jahrhundert ist das letzte Jahrhundert der Pferde angebrochen, wie Ulrich Raulff es beschreibt. Trotzdem hat sich das Pferd als Motiv in der bildenden Kunst festgetreten, ist neben seiner Funktionalität immer auch symbolisch oder allegorisch relevant gewesen: In den Künsten lässt sich keinesfalls ein Exodus verzeichnen, die Erfolgsgeschichte Pferd setzt sich bis in die Gegenwart fort. Der Kunstraum Potsdam ist in einem ehemaligen Reitstall – gebaut im 19. Jahrhundert nach Entwürfen von Friedrich Schinkel – auf dem Gelände der Schiffbauergasse angesiedelt. Zum Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst umgebaut, lässt sich anhand der Raumarchitektur die ursprüngliche Bestimmung noch ablesen. An mehreren Stellen sind Wassertröge in die Wand eingelassen, durch Bögen, Fenster- und Türöffnungen lässt sich die Stallarchitektur weiterhin nachempfinden. Im Kontext der Ausstellung „Das Pferd frisst keinen Gurkensalat“ nimmt die Geschichte des Ortes eine elementare Funktion ein: beide Funktionen, die des ehemaligen Pferdestalls und seine sechzehnjährige Nutzung als Raum für zeitgenössische Kunst werden in der Ausstellung vereint. In den Werken der zahlreichen regionalen bis internationalen Positionen, die in den letzten Jahren im Kunstraum Potsdam ausgestellt haben, finden sich gehäuft Pferdemotive. Um das Sujet des Pferdes in der zeitgenössischen Kunst zu beleuchten, wird dieser Bestand exemplarisch gesichtet und eine Auswahl an Künstler*innen im ehemaligen Pferdestall gezeigt. Dabei wird nicht nur die neuere Geschichte des Ortes illustriert, sondern auch die historische Dimension des Geländes der Schiffbauergasse sichtbar gemacht. Potsdam als ehemalige preußische Residenzstadt, in der Pferde sowohl in militärischer als auch monarchisch-repräsentativer Form eine prägende Funktion hatten, wird in der Ausstellung indirekt beleuchtet. Die Verortung des Pferdes in der zeitgenössischen Kunst in einer ehemaligen Stallanlage bietet die Möglichkeit, Kontinuitäten herzustellen, von der Geschichte bis in die aktuelle, internationale Kunstproduktion. Die ausgestellten Arbeiten zeigen die Entwicklung vom Nutztier hin zum Transportmittel von vielfältigeren, oszillierenden Bedeutungsmöglichkeiten: Der kunsthistorische Bezug, zum Beispiel in Form von Anleihen an historische Reiterstandbilder oder Militärdarstellungen, die mythologische Aufladung des Pferdekörpers aber auch die Bedeutung des Tieres im Sport und der High Society finden sich in den Darstellungen der zeitgenössischen Kunst wieder. Die Ausstellung „Das Pferd frisst keinen Gurkensalat“ zeigt Vertreter*innen von Teilbereichen der Darstellungsmöglichkeiten und zieht damit einen Bogen zwischen der Vergangenheit und Gegenwart innerhalb eines (noch immer genutzten) Pferdestalls. Zur Ausstellung erscheint ein Pferdekalender.

Beteiligte Künstler*innen: Konstantin Bayer | Jagoda Bednarsky | Marc Brandenburg | Benedikt Braun | Hannah Sophie Dunkelberg | Lisa Endriss | Frank Gaudlitz | Tom Gefken | Rayk Goetze | Martin Groß | Oska Gutheil | Beret Hamann | Stella Hamberg | ChrisHinze | Lou Hoyer | Paul Hutchinson | Alexander Janetzko | Marc Jung | Tom Korn | Matthias Körner | Phillip Langer | Via Lewandowsky | Michael Lüder | Jörg Mandernach | Sven Marquardt | Olga Maslo | Mikos Meininger | Florian Merkel | Thierry Motard | Steffen Mühle | Heinrich Otto | Andrea Pichl | Stefan Pietryga | Susanne Ramolla | Ludwig Rauch | Julian Röder | Christin Rothe | Daniel Sambo-Richter | Jörg Schlinke | Erik Schmidt | Wang Shugang | Rainer Sioda | Hans Ticha | Stephan Velten | Nicholas Warburg | Patrick Weiss | Cecile Wesolowski | Gabriele Worgitzki | Ulrich Wüst


Das Pferd frisst keinen Gurkensalat.
10. April - 12. Juni 2022
Mittwoch - Sonntag 13 - 18 Uhr