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Gasanstalt


Gasanstalt mit Kaianlage

Auch in der Residenzstadt Potsdam sollte die neue Erfindung des Leuchtgases für die Straßenbeleuchtung genutzt werden - in Berlin hatte der Boulevard "Unter den Linden" bereits 1826 Gaslicht erhalten. Am 1. Oktober 1856 nahm die Freundsche Gasanstalt am ehemaligen Kai der Schiffswerft ihren Betrieb auf. Die Gaserzeugung betrug im ersten Jahr 110.000 Kubikmeter. Damals hatte Potsdam 39.391 Einwohner, davon 7.126 Militärpersonen. 386 Gaslaternen erleuchteten nun die Straßen der Stadt. In den folgenden Jahren stiieg die Zahl der Laternen erhöht, aber auch steigende Nachfrage für Beheizung und Beleuchtung in Haushalt und Gewerbe führten zu einem stetigen Ausbau des Werks. 1866 übernahm die Deutsche Continental-Gasgesellschaft das Werk, schließlich kaufte die Stadt Potsdam 1916 die gesamte Anlage zu einem Preis von 3.804.287,89 Reichsmark. 1908/09 wurde ebenfalls die Pappenfabrik aufgekauft und in den Betrieb integriert. Überlastungen des Gaswerks machten nach dem Ersten Weltkrieg eine weitere Ausdehnung und Modernisierung notwendig. Am Tiefen See wurden ein Kohlelager mit Kaimauern und eine Entladebrücke gebaut, neue Öfen sowie Reiniger- und Kühlanlagen folgten. 1920 entstanden vier große Gasbehälter und zahlreiche Schlote, ab 1929 diente die Zichorienmühle als Wohnung für den Betriebsleiter. Bereits Ende der 1930er Jahre durchzog ein 110 km langes Leitungsnetz die Stadt. Mitte der 1950er Jahre erwarb das Elektrizitätswerk, seit 1951 Volkseigener Betrieb, weitere Grundstücke, die u.a. durch Anschüttung von Trümmerschutt enstanden waren. Errichtet wurden Ofenanlagen, eine Generatorenhalle, eine Schwefelreinigung sowie der 1953-55 nach Plänen von Karl Gottfried Pust erbaute Koksseparator (s. folgenden Eintrag). Zu weiteren Nebenprodukten der Gaserzeugung gehörten neben dem Koks auch Rohteer, Naphthalin, Ammoniak, Salmiakgeist und Benzol, die ihre Verwendung in der Industrie fanden. Im Rahmen der Konsumgüterproduktion verließen jedes Jahr auch 8.000-14.000 Säcke Holzkohle das Werk.  Nach mehreren Umbauten und Besitzerwechseln wurde das Werk als VEB Energiekombinat 1990 geschlossen: Dies lag nicht nur daran, dass durch Fernwärme, Erdgas und neue Technologien das letzte in Mitteleuropa betriebene Steinkohlegaswerk unrentabel geworden war – es hatte auch stark Boden und Grundwasser versucht, die Anlagen waren völlig verschlissen und hatten ständig Havarien.

Durchgängig über 134 Jahre, bis zum 1. Juli 1990, produzierte das Werk als eine der ersten industriellen Einrichtungen in Potsdam Gas für Beleuchtung und Beheizung der Stadt. Mitte 2001 begannen der Abriss des Gaswerks und die Sanierungsarbeiten am Boden, im Grundwasser und den Sedimenten des Sees. Das markanteste Bauwerk, der Koksseparaor, konnte als verklinkerte Stahlbetonkonstruktionen mit insgesamt 35 Meter Höhe bei Erhaltung der Fassade 2002 entkernt und komplett umgebaut werden – er dient heute als Bürogebäude des Softwareunternehmens OracleDirect. Auch einer der Gasometer, heute unter Denkmalschutz, wurde als Wirtschaftshof in den Neubau des Hans Otto Theaters integriert.

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